Was ich vom Impfstoff gegen Covid-19 zu erwarten habe

Ich bin immer wieder verblüfft oder auch schockiert, wenn ich feststellen muss, wie wenige Menschen sich tatsächlich gegen das Coronavirus impfen lassen wollen. In Umfragen sind gerade einmal 53 % der Teilnehmenden dazu bereit, sich impfen zu lassen. Bei der Frage ob sie generell, ganz im Allgemeinen, für oder gegen das Impfen sind, sprechen sich dagegen 78 % für das Impfen aus. Es ist also kein Impfgegner Problem, sondern eine ganz spezielle Abneigung gegen genau diesen Impfstoff. Woran kann das liegen? 

Abgesehen von einigen Verschwörungstheorien gehe ich davon aus, dass eine grundsätzliche Unsicherheit besteht. MRNA, was bedeutet das? Wo liegt der Unterschied zu anderen Impfstoffen? Wie kann es sein, dass nach knapp einem Jahr Forschung, schon ein Impfstoff auf dem Markt ist? Ging das nicht zu schnell? Wie wurde das alles geprüft? Welche Langzeitfolgen kann es geben? Wie kann ich mir sicher sein, dass der Impfstoff nicht schädlicher als das Virus ist?

Fangen wir mit der ersten Frage an.

MRNA, was bedeutet das?

MRNA steht für messegner RNA oder auch Boten-RNA. Boten, aber wovon? Jede menschliche Zelle besteht ganz grundsätzlich aus einer Zellwand, Zellflüssigkeit und einem Zellkern. Im Zellkern befindet sich die Erbinformation jeder Zelle, auch bekannt als DNA. Um Proteine herzustellen, die für ganz normale körperliche Vorgänge zuständig sind, werden im Zellkern Teile der DNA kopiert und aus dem Zellkern hinausbefördert. Es handelt sich dabei um Anleitungen, die der Zelle beschreiben, welche Proteine wie gebaut werden sollen. Diese Anleitungen werden mRNA oder Boten-RNA genannt. Sobald die Anleitung gelesen und umgesetzt wurde, zerfällt sie.

Ein mRNA Impfstoff enthält die genetischen Informationen des Virus. Sobald diese Virus mRNA in die Zellflüssigkeit einer Zelle eingeschleust wird, werden nach dessen Anleitung Proteine hergestellt, die dem tatsächlichen Virus ähneln und somit eine Immunantwort auslösen. 

Aber wenn in meinem Körper das Virus nachgebaut wird, bedeutet das, dass ich davon auch krank werden kann?

Dazu ist es hilfreich, sich erst einmal anzuschauen, wie Viren überhaupt funktionieren. Ein Virus besteht aus Molekülen, welche von einer Proteinhülle umgeben sind. Viren sind keine eigenständigen Lebewesen (wie zB Bakterien) und sind deshalb auf fremde Zellen angewiesen, um sich zu vermehren. Dazu dringt das Virus in die Zelle ein und „zwingt“ diese dazu, statt der eigenen DNA, die Erbinformationen des Virus zu kopieren und dieses nachzubauen. Im Anschluss daran stirbt die Zelle ab und die nachgebauten Viren dringen in andere Körperzellen ein. Das Absterben der Zellen kann beispielsweise im Fall von Covid-19 zu Atemnot führen. Das Virus dringt vorzugsweise in Körperzellen der Atemwege ein und vermehrt sich dort, es sterben viele Zellen ab, die normale Lungenleistung kann nicht mehr erreicht werden.

Um diesem Zellsterben und Befall durch Viren entgegen zu wirken, bildet der Körper unter anderem Antikörper. Diese sind virusspezifisch und können sich aufgrund ihrer äußerlichen Beschaffenheit an das Virus anheften und es unschädlich machen. Die Anleitung für diese virusspezifischen Antikörper werden gespeichert. Bei erneutem Befall einer Körperzelle mit dem gleichen Virus können sie ganz einfach und schnell nachgebaut werden, bevor das Virus großen Schaden anrichten kann. 

Durch das Impfen mit der Virus-mRNA wird zwar das Virus innerhalb der Zelle nachgebaut, im Anschluss des Aufbaus stirbt die Zelle allerdings nicht ab. Ohne Zellsterben kann der Körper keinen Schaden beispielsweise in der Lunge davontragen. Außerdem enthält die geimpfte mRNA nur Anleitungen für die Teile des Virus, die für das Auslösen der Immunantwort ausschlaggebend, aber ansonsten unschädlich sind. Vergleichbar mit einer Pistole, die mit Platzpatronen gefüllt ist. Der Körper bemerkt, dass sich fremde Substanzen in der Zelle befinden und reagiert mit der Bildung von Antikörpern, ohne dass zuerst ein Schaden entstehen muss. Die Informationen über die Antikörper werden anschließend gespeichert. So kann der Körper schnell mit den richtigen Antikörpern reagieren, sollte das tatsächliche Virus eine Zelle befallen. Natürlich kann der Impfstoff normale Immunabwehrreaktionen des Körpers auslösen, wie zB Fieber. Krank werden kann man dadurch aber nicht.

Worin liegt der Unterschied der herkömmlichen Impfstoffarten zu mRNA Impfstoffen?

Es gibt verschiedene Impfstoffarten, die je nach Erreger und Forschung variieren. Lebendimpfstoffe, Totimpfstoffe, Vektorimpfstoffe und mRNA Impfstoffe. Bei Lebendimpfstoffen werden Erreger injiziert, die noch die Fähigkeit besitzen, sich zu vermehren. Sie wurden aber derartig verändert, dass sie für den Körper unschädlich sind. Trotzdem lösen sie eine Immunantwort aus.

Bei Totimpfstoffen ist der Erreger bereits abgetötet, kann sich also nicht weiter vermehren.

Vektorimpfstoffe bestehen aus einem für den Menschen unschädlichen Erreger und Molekülen des Krankheitserregers. Der Kern des Krankheitserregers wird zB mit dem Kern des unschädlichen Erregers ausgetauscht. Die Hülle des schädlichen Erregers bleibt bestehen, ist aber ohne „schädlichen Kern“ harmlos. Dennoch kann eine Immunantwort des Körpers stattfinden, die vor zukünftigen Infektionen schützt. 

Die am häufigsten verwendeten Impfstoffe sind Lebend- und Totimpfstoffe. 

Stellen wir uns vor das (unschädliche) Virus wäre ein Schrank. Unsere Wohnung ist die Zelle, in die der Schrank aufgebaut und aufgestellt werden soll. Die mRNA ist die IKEA Anleitung, nach der wir den Schrank aufbauen können. Macht es einen Unterschied, ob wir den Schrank vor der Wohnung aufbauen und ihn dann hineintragen oder ob wir sie mit in die Wohnung nehmen und ihn in der Wohnung aufbauen? 

Bei Tod- und Lebendimpfstoffen wird der Erreger im Labor aufgebaut und anschließend injiziert. Der mRNA Impfstoff verkürzt diesen Prozess. Statt das Virus aufwendig im Labor nachzubauen und zu verändern, wird ein Teil der relevanten, aber nicht schädlichen Anleitung in die Zelle eingeschleust. Diese kann dann den Rest übernehmen.

Kann der mRNA Impfstoff meine DNA dauerhaft verändern?

Nein. Zum Einen ist die Zellflüssigkeit ein ungünstiges Milieu für mRNA. Diese zerfällt sofort, nachdem sie gelesen wurde und der Aufbau der Proteine beginnt. Zum anderen müsste die mRNA dazu in den Zellkern eindringen und sich an die DNA anheften. Das geht nur, indem sie sich chemisch verändert. DNA ist nämlich anders aufgebaut als RNA. Für eine chemische Veränderung sind ganz bestimmte Enzyme notwendig, die in normalen Zellen nicht vorkommen. 

Wie kann es sein, dass nach knapp einem Jahr Forschung schon ein Impfstoff auf den Markt kommen soll?

Die Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 wurde im letzten Jahr ganz klar priorisiert. Forschenden wurde viel Geld zur Verfügung gestellt und Prozesse wurden beschleunigt, allerdings nicht auf Kosten der Sicherheit. Jeder Impfstoff der in Deutschland zugelassen wird, muss zuerst eingehend geprüft werden. In einer ersten Studie wird an Versuchstieren getestet, ob der Impfstoff schädliche Nebenwirkungen hat oder tödlich sein könnte. Sollten die Versuchstiere keine weiteren Nebenwirkungen aufweisen, kann der Impfstoff an einigen wenigen, gesunden Menschen getestet werden. Anschließend wird der Impfstoff in Phase II und III weiteren, bis zu mehreren tausenden, Menschen verabreicht, ältere Menschen oder Risikogruppen mit eingeschlossen. So können seltene Nebenwirkungen (1 von 10 000) ausgemacht und andere ausgeschlossen werden. Mit Abschluss der dritten Testphase kann der Impfstoff zugelassen werden. Ob ein Impfstoff zugelassen wird, hängt vom Kosten-Nutzen Prinzip ab. Hat der Impfstoff weniger Nebenwirkungen als die potenzielle Krankheit (zB Kopf- und Muskelschmerzen direkt nach Impfgabe) wird dieser zugelassen. Um diese Testphasen schneller zu durchlaufen, wurden insbesondere bürokratische Hürden beschleunigt. Studienergebnisse werden durchgehend übermittelt und geprüft und nicht wie normalerweise erst zum Ende der Studie gesammelt übergeben. Allein dieser Prozess kann in anderen Fällen bis zu zwei Jahre dauern. 

Ein mRNA Impfstoff ist neu. Genauso neu war es im Jahr 1796, als der englische Chirurg Edward Jenner anfing die Menschen mit dem Erreger der Rinderpocken zu infizieren, um sie gegen die lebensbedrohlichen Pocken zu immunisieren. Natürlich kann jede neue Impfung oder jedes neue Medikament Risiken bergen. Aber nur weil wir etwas nicht sofort verstehen oder noch nie gemacht haben, muss es nicht schlecht sein. Tatsächlich ist es so, dass es genau diese Dinge sind, die die Menschheit weiter bringen. Erst, wenn sich viele Menschen impfen lassen, können alle möglichen seltenen und extrem seltenen Nebenwirkungen entdeckt werden (1:100 000). Das ist bei allen anderen Impfstoffen aber genauso- der Impfstoff gegen Covid-19 macht da keine Ausnahme. Viele gängige Medikamente (Ibuprofen und Paracetamol zum Beispiel) haben weitaus haarsträubendere Nebenwirkungen, als sie derzeit beim Impfstoff gegen das Coronavirus angenommen werden. Bekannt sind bis jetzt Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber. Alles ganz normale Reaktionen des Immunsystems. 

Ich persönlich wünsche mir eine Welt ohne Angst zurück. Ohne dauernde Maske. Ohne Abstand. Eine Welt mit Umarmungen. Mit meiner Familie und meinen Freunden. Mit Zuneigung, mit Partys. Mit Kultur und Restaurantbesuchen. Eine Welt, die wir nur zurückbekommen können, wenn wir uns auf etwas Neues einlassen. Etwas, was uns weiter bringt. Natürlich ist es nicht sicher, ob die Impfung Langzeitfolgen haben kann. Dazu müssen sich erst Menschen impfen lassen und es müssen mehrere Jahre vergehen. Aber eine Sache ist sicher. Das Coronavirus hat Langzeitfolgen. Das Coronavirus kann dich umbringen. Ich denke wir sollten unseren Medizinern und Virologen vertrauen, dass sie nichts entwickeln würden, was uns schaden könnte. Oder mehr schaden könnte, als es das Virus tut. Nur, wenn sich der Großteil der Bevölkerung impfen lässt, können wir das Virus eindämmen. So wie wir bereits die Pocken ausgerottet haben. Oder Kinderlähmung. Oder Masern. Wollen wir die Pandemie hinter uns lassen und ein Stück Medizingeschichte schreiben oder wollen wir uns weiterhin hinter unseren Masken verstecken und in der ständigen Angst leben, für den Tod von geliebten Menschen verantwortlich zu sein?

Quellen

https://www.rnd.de/politik/umfrage-zur-corona-impfung-nur-53-prozent-der-deutschen-wollen-sich-impfen-lassen-JRWA6EIKXZBAFLFQJWSC5AE3GA.html

https://www.impfen.de/impfwissen/corona-wie-viren-im-koerper-wirken/

https://www.bmbf.de/de/das-sollten-sie-ueber-impfstoffe-wissen-12724.html

https://www.kinderblutkrankheiten.de/content/erkrankungen/immundefekte/primaere_immundefekte/funktion/

https://www.bmbf.de/de/das-sollten-sie-ueber-impfstoffe-wissen-12724.html

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/warum-mrna-impfstoffe-nicht-das-erbgut-veraendern-121972/

https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/so-lange-braucht-die-entwicklung-eines-coronavirus-impfstoffs/

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