Körper-wahrnehmungskuddelmuddel

Was bedeutet das eigentlich – Körperwahrnehmung? Ich habe einen Körper und naja – ich nehme ihn wahr. Im Internet kursieren oft Bilder von extrem dünnen und zierlichen Mädchen, die in ihr Spiegelbild blicken und darin einen ganz anders geformten Körper sehen. So als wäre eine verschobene Körperwahrnehmung tatsächlich so etwas wie eine optische Täuschung.

Wahrnehmung ist aber definitiv nicht nur sehen. Es ist hören, riechen, schmecken, fühlen und sehen.

Es ist ein Rundumpaket – wir leben in einem Körper, ausgestattet mit Sinneskuddelmuddel. In diesem Kuddelmuddel ist man gefangen, wenn man so etwas hat wie eine verschobene Körperwahrnehmung.

Wenn ein sehr dünnes Mädchen in den Spiegel guckt, dann sieht sie ganz genau dasselbe, wie du. Egal ob ihre Körperwahrnehmung gut oder schlecht ist.

Der Unterschied hier – dass es das dünne Mädchen mit verschobener Körperwahrnehmung stören könnte, wie ihr Unterbauch die Tischkante des Schreibtisches berührt, wenn sie am Arbeiten ist. Dass sie es spürt, wahrnimmt und sich denkt “Oh Gott nein, das ist zu viel. Das muss weg.”

Aber was genau soll da eigentlich weg? Ihr Bauchfett? Wann ist das dann vorbei? Wenn es unmöglich für den Bauch ist, die Tischkante zu berühren? Also muss der ganze Bauch weg. Also muss da einfach alles weg.

Moment, das geht gar nicht. Verwirrung im Wahrnehmungskuddelmuddel – deshalb kann man hier auch absolut nicht von Rationalität sprechen. Viel mehr von Emotionalität.

“Ich fühle mich heute dick.” – ja, aber dein Spiegel sagt dir da was anderes. Du siehst eigentlich so aus wie immer. Nur nimmst du es anders wahr.

Eine verschobene Selbstwahrnehmung ist weit mehr als ein Blick in den Spiegel. Es ist sogar eigentlich das totale Gegenteil. Denn wenn wir uns wirklich und wahrhaftig sehen und erkennen würden, dann hätten wir so etwas wie eine falsche Selbstwahrnehmung überhaupt nicht. Dann würden wir erkennen, statt zu urteilen.

“Ich fühle mich heute dick.” – das ist ein Gefühl und kein Zustand. Emotionalität das Steuer, wann kann ich es wiedererlangen?

Wenn Bekannte, Freunde oder Freundinnen etwas sagen wie: “Das steht mir nicht.”, “Ich bin zu hässlich dafür.”, “Ich finde mich darin nicht schön”, “Ich fühle mich unwohl.”, dann scheinen sie in einer ganz anderen Welt zu leben als ich. Im Wahrnehmungskuddelmuddel gefangen zu sein.

Vielleicht fällt es uns leichter die Schönheit in anderen zu sehen. In Männern, Frauen und allen dazwischen und daneben – alle sind sie wunderschön. In meinen Augen.

Ich blicke sie an und ich sehe Schönheit. Unendlich viele Formen von Schönheit, innen und außen. Ich würde keiner Person absprechen schön zu sein. Keiner einzigen. Es gibt Menschen, die ich ganz besonders schön finde – wie meine Mutter zum Beispiel. Aber schön sind sie alle, auf ihre ganz eigene Weise.

In manchen Momenten überkommt es mich heute noch – Wahrnehmungskuddelmuddel. Der Hang, ein Laster auszuleben, eine vergessene Sucht auszuleben (das kann für jeden etwas anderes sein – Essen, rauchen, exzessiver Sportmissbrauch, usw.)

Was ich dann mache? Ich stelle mir selbst eine einzige Frage. Von der ich weiß, dass sie mir hilft.

“Wie würde ich wollen, dass sich meine beste Freundin jetzt behandelt?”

Und dann handele ich so.

In den Spiegel blicken und erkennen –

Stelle dich ganz nah an den Spiegel. So nah, dass du deine Augen sehen kannst. Blicke sie an – deine Augen. Sehe, was du siehst. Was siehst du?

Du siehst, was sieht. Du siehst dich. Kannst du dich auch erkennen? Kannst du sehen, was da alles in dir steckt? Das bist du. Nur du. Kannst du das lieben, was du da siehst? Findest du es schön?

Ich stand vor dem Spiegel und habe begriffen – ich sehe was sieht. Ich sehe. Ich bin der Filter, der bestimmt ob mein Arm zu dick oder wunderschön ist. Ich bin der Filter der bestimmt, ob ich wahrnehme, wie viel meine Arme bereits geleistet haben. Wie viel meine Hände geleistet haben. Wie lange mich meine Beine bereits getragen haben. Der bestimmt, dass ich mit meinen Armen, Beinen, Händen – mit meinem Körper – andere lieben kann. Für andere da sein kann. Für mich da sein kann. Dass ich wunderschöne Dinge erschaffen kann, einfach so aus dem Nichts.

Für die Mütter und Väter da draußen – es sind eure Arme, die euer Baby tragen oder getragen haben. Haben sie es wirklich verdient, verurteilt zu werden?

Es ist euer Körper, mit dem ihr tanzen, singen, lachen, weinen, reden, rennen, liegen könnt. Hat er es wirklich verdient verurteilt zu werden?

Er hat es nicht verdient, verurteilt zu werden. Ganz tief in dir ist er Du. Dein Körper ist deine Hülle, deine Möglichkeit dich selbst auszudrücken – du zu sein. Soll heißen? Du bist dein Körper – innen wie außen. Kannst du deine Schönheit wahrnehmen?

Stelle dich ganz nah an den Spiegel. So nah, dass du deine Augen sehen kannst. Blicke sie an – deine Augen. Sehe, was du siehst.

Was siehst du?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s