„Männer weinen nicht!“

Zahlen und Fakten: 
2019 nahmen sich 9.041 Menschen in Deutschland das Leben, also rund 25 Personen am Tag. Etwa 76% davon waren Männer. 
Depressionen sind die häufigste Ursache für Suizid. 11.3% der Frauen und 5.1% der Männer leiden laut Statistiken deutschlandweit an Depressionen. Obwohl mehr Frauen an Depressionen zu erkranken scheinen, nehmen sich Männer drei Mal häufiger das Leben. Seit den 1980er Jahren ist die Selbstmordrate bei Frauen gesunken, während sie bei Männern weitgehend konstant bleibt. Zumindest bei den Frauen müssten Therapien zu einer Besserung des Krankheitsbildes führen. Warum ist das bei Männern nicht so?

Warum begehen so viele Männer Selbstmord? 

In unserer patriarchalischen Gesellschaft werden Verhaltensweisen, Symptome und Ursachen, die mit psychischen Erkrankungen einhergehen als weiblich-schwach interpretiert: Weinen, Antriebslosigkeit, das Bedürfnis nach Nähe, Hilflosigkeit. Deshalb definieren Männer* ihre psychische Krankheit als Schwäche und holen sich seltener Hilfe. Psychische Krankheiten bei Männern* werden seltener erfasst und behandelt: Die Dunkelziffer ist größer, die Heilungschance geringer, die Selbstmordrate höher. Das gesellschaftliche Konzept von Maskulinität schließt Schwäche aus. Die Folgen: unbehandelte psychische Erkrankungen. Die können aber nur geheilt werden, wenn sie angesprochen und thematisiert werden. Wenn du ein Mann mit einer psychischen Krankheit bist, dann bist du Teil einer immer größer werdenden Gruppe. Eine Gruppe aus Politikern, Profisportlern, Feministen, Handwerkern, Ärzten, Mathematikern, Schauspielern, Wissenschaftlern, Lehrern. 

“Männer weinen nicht.“ – aber sie weinen.   
Männer weinen, Jungen weinen. Dein Bruder weint, mein Opa weint. Alle deine männlichen* Freunde weinen. Jeder Mann*, den du auf der Straße siehst, weint.   
Du bist weder unnormal, noch eine Ausnahme, wenn du als Mann* weinst.   

Depressionen, psychische Krankheiten, Weinen, Lachen, Emotionalität: Nichts, das einer bestimmten Personengruppe (Frauen) angehört. Es sind Erfahrungen, Erlebnisse. Mensch-Erfahrungen. Vollkommen unabhängig von biologischem Geschlecht, Sexualität, Ethnie, Hautfarbe, Alter und Lebenserfahrung.  

Schweigen wirft einen Schatten über dieses Problem, was für viele Menschen lebensbedrohlich sein kann. 

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