Ist Gleichberechtigung bei einer ungewollten Schwangerschaft möglich?

Keine Verhütungsmethode schützt zu 100 %, jedes Verhütungsmittel kann versagen. Die endgültige Entscheidung, ob eine Schwangerschaft weitergeführt oder abgebrochen wird, liegt alleine bei der Frau. Es ist ihr Körper und niemand, außer sie Selbst, darf darüber entscheiden. Für den Mann bedeutet das in jedem Fall eine fremdbestimmte Entscheidung über sein Leben.

Was passiert, wenn der Vater das Kind behalten möchte, die Mutter aber nicht?
Ein Fötus ist mehrere Monate außerhalb der Gebärmutter nicht überlebensfähig. Möchte die Frau das Kind nicht austragen, kann der Vater sie nicht dazu zwingen. Denn dann würde er über ihren Körper bestimmen. Mann und Frau können sich darauf einigen, dass sie das Kind austrägt und anschließend zur Adoption freigibt. Allerdings geht auch das nicht ohne Zustimmung der Frau.

Die Frau möchte das Kind behalten, der Mann nicht. Er muss die Entscheidung mittragen und mindestens 18 Jahre lang Unterhalt für das Kind bezahlen. Ist das gerecht?
Um bei dieser Problematik mehr Gleichberechtigung zu erlangen, kann eine Paper Abortion (Juristische Abtreibung) in Betracht kommen: Der Mann bekommt die Möglichkeit, die Vaterschaft abzuerkennen, sodass er juristisch betrachtet nicht mehr der Vater des Kindes ist. Das bedeutet, er hat dem Kind gegenüber keine Rechte und Pflichten.

Welche Bedingungen muss eine juristische Abtreibung haben?
Sie ist innerhalb der ersten 14 Schwangerschaftswochen möglich – genauso wie bei einem normalen Schwangerschaftsabbruch. Vor Unterzeichnung muss eine Beratung stattfinden, die den leiblichen Vater über alle Konsequenzen und Bedingungen aufklärt. Außerdem ist eine finanzielle Absicherung der Kindesmutter durch den Staat ist essenziell.

Welche Konsequenzen hat eine Juristische Abtreibung?
Der Mann muss keinen Unterhalt bezahlen und hat kein Recht auf Umgang oder Sorge. Eine juristische Abtreibung ist endgültig: dem leiblichen Vater ist es verboten, das Kind aufzusuchen. Ein Verstoß hat (straf)rechtliche Konsequenzen. Das Kind kann ein solches Kontaktverbot stark psychisch belasten. Allerdings besteht dieses Risiko auch bei einer klassischen Adoption. Da die Belastung bei einer normalen Adoption als tragbar bewertet ist, sollte das auch für eine Vaterschaftsabtretung gelten.

Was ist, wenn sich die Frau nach einer Paper Abortion aus finanziellen Gründen zur Abtreibung gezwungen sieht?
Das Kindeswohl steht immer an erster Stelle: es ist wichtig, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Ein Kind großzuziehen ist in den ersten Jahren in Vollzeitjob. Es wird den meisten Frauen nicht möglich sein, die nötigen finanziellen Mittel aufzubringen. Bei Vorliegen einer Paper Abortion hat die Frau Anspruch auf staatliche Unterstützung, ohne dass sie weitere Schritte einleiten muss.

Eine juristische Abtreibung sollte nicht leichtfertig geschehen. Es darf kein Freifahrtsschein sein, Frau und Kind finanziell im Stich zu lassen, wenn der Mann es sich auf einmal anders überlegt. Er trifft eine endgültige Entscheidung: Er muss für immer damit leben, sein leibliches Kind niemals kontaktieren oder sehen zu dürfen. Eine Paper Abortion befreit den Vater nicht einfach von irgendwelchen Pflichten, er muss auch die Konsequenzen tragen. Damit sich der Vater dessen bewusst ist, muss eine ausreichende Beratung stattfinden, bevor die juristische Abtreibung unterzeichnet werden kann.

Ist eine Paper Abortion moralisch vertretbar? 
Ist es besser, wenn ein Vater zur Vaterschaft gezwungen wird? 
Wenn ein Kind seinen Vater kennt, aber immer wieder durch ihn zurückgewiesen wird? 
Wenn der Vater Unterhaltszahlungen verweigert und die Frau ganz ohne finanzielle Mittel dasteht?
Eine Juristische Abtreibung ist ein komplexes und schwieriges Thema. Dennoch ist es ein möglicher Ansatz, um bei einer ungewollten Schwangerschaft mehr Gerechtigkeit zu erreichen.

Eine Paper Abortion existiert in Deutschland nicht. Bei der aktuellen Gesellschaftsordnung und Rechtslage halte ich es für schwierig Umsetzbar. Denn viele Fragen bleiben ungeklärt: 
Was passiert, wenn eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger wird? Bei vielen Vergewaltigungen kommt es niemals zur Anklage. Ist das Risiko vertretbar, dass ein Mann sich in so einem Fall auch noch der finanziellen Verpflichtungen entzieht? Ich denke nicht. 
Was ist, wenn Männer Paper Abortion als Ausrede nutzen, sich überhaupt nicht mehr um Verhütung zu kümmern? Bei einem One Night Stand könnten Männer auf Verhütung verzichten, weil sie bei einer möglichen Schwangerschaft mit keinen Folgen rechnen müssten. Ein Formular zu unterschreiben, kann nicht mit der gesundheitlichen Belastungen einer Abtreibung verglichen werden. Andererseits sollten alle Beteiligten eines ONS sowieso immer auf Verhütung bestehen, denn Verhütung ist nicht nur Schwangerschaftsprävention, sondern auch Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Problematisch ist außerdem die Verallgemeinerung. Man könnte diese Aussage mit der These gleichsetzen, dass Frauen bei Aufhebung eines Abtreibungsverbots, ständig abtreiben, weil Abtreibungen dann der neue „Standard“ werden. 

Auf der anderen Seite gibt es auch Frauen, die Samenraub betreiben. Unterhalt von einem Vater kassieren, ihm aber den Kontakt zum Kind verbieten. Vielleicht könnte man in solchen Fällen eine Paper Abortion in Betracht ziehen? Ich denke, es ist wichtig, ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen und alle Seiten und Argumente zu beleuchten. Nur so können wir einen gesellschaftlichen Fortschritt erreichen.

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