„Gendern ist unnötig!“

Sprechen wir in der Mehrzahl von einer bestimmten Personengruppe benutzten wir in Deutschland das generische Maskulinum:
Der Lehrer/ die Lehrerin -> die Lehrer
Der Student/ die Stundentin -> die Stundenten
Der Arzt/ die Ärztin -> die Ärzte

Die männliche Pluralform soll eine Doppelfunktion haben und beide Geschlechter einbeziehen. Möchte man nur ein Geschlecht einbeziehen, sieht es anders aus:
Der Lehrer -> die Lehrer
Die Lehrerin -> die Lehrerinnen
Der Arzt -> die Ärzte
Die Ärztin -> die Ärztinnen.

Es geht aus dem generischen Maskulinum deshalb nicht eindeutig hervor, ob jetzt nur der männliche Teil der Personengruppe angesprochen wird, oder auch der weibliche. Das führt häufig dazu, dass sich Frauen vom generischen Maskulinum nicht angesprochen fühlen. Noch häufiger führt es dazu, dass Männer nur ihr eigenes Geschlecht mit der Personengruppe identifizieren.

Beurteile, ob der zweite Satz eine sinnvolle Fortsetzung des ersten Satzes ist:
„Ärzte rannten in die Notaufnahme“
„Weil der Boden nass war, rutschten mehrere Frauen aus.“


Anhand der Reaktionszeit der Probanden wollten Forscher herausfinden, welche Bilder Sprache in unseren Köpfen hervorruft.
Wenn ein Satz mit dem generischen Maskulinum begann und mit „Frauen“ fortgeführt wurde, war die Reaktionszeit der Probanden länger: Das genereische Maskulinum erzeugt männliche Bilder in unseren Köpfen. Das gilt sogar für Berufe, die als „weibliche“ eingestuft werden, wie zB Kosmetiker, Friseur oder Tänzer. Dieses Phänomen nennt man Male Bias.

Um der Male Bias entgegenzuwirken, werden Begriffe  gegendert. Wir nutzen entweder genderneutrale Varianten, oder beziehen die weibliche Form in den Plural mit ein:
Der Lehrer/die Lehrerin -> die Lehrenden
Der Student/ die Studentin -> die Studierenden
Der Arzt/ die Ärztin -> Ärzt:innen

„Gendern nervt, es behindert den Lesefluss.“
Dass man sich erst an das Gendern gewöhnen muss, ist völlig normal. Sprache entwickelt sich weiter, genauso wie sich die Menschheit weiterentwickelt. Bald wird es deinen Lesefluss nicht mehr stören.

„Ich bin eine Frau und ich fühle mich nicht durch das generische Maskulinum benachteiligt.“
Schön, dass dich das nicht stört. Aber nur, weil es dich nicht stört, heißt das nicht, dass es keine gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen hat.

„Ich muss nicht gendern, ich weiß, dass ich alle Geschlechter meine.“
Nur, weil du weißt, dass du alle meinst, heißt das nicht, dass dieses Bild auch bei den Lesenden erzeugt wird. Schon im Alter von 6 Jahren malen Kinder nur Männer, wenn sie „Ärzte“ zeichnen sollen.

Gendern tut niemanden weh und es ist einfach. Wenn du damit dazu beitragen kannst, dass Frauen und nicht binäre Menschen weniger diskriminiert werden, wo liegt dann das Problem? Wenn du einfach nur zu faul bist, deine Angewohnheiten zu ändern, habe ich eine Neuigkeit für dich: Genderneutrale Sprache wurde 2021 in den Duden aufgenommen. Nicht zu Gendern ist demnach einfach falsch. 

Quellen:
https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/01690960701702035

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