Generation Instagram – Gastbeitrag von Julia

Wir sind die Generation, die aufräumt. Wir, das sind die Generationen Y, Z und Alpha. Natürlich gibt es auch Menschen aus der Generation X (Geburtsjahr 1965-1980), die online aktiv sind, doch hier möchte ich von uns sprechen, von den Menschen, die mit dem Internet großgeworden sind oder mit dem Internet noch aufwachsen werden. Ich möchte von den Snowflakes sprechen. Wir rebellieren anders als die Generationen vor uns. Unsere Waffe ist das Smartphone und der Schauplatz sind die Weiten des Internets. 

Ich denke, Instagram wird von vielen Menschen falsch verstanden, vor allem von denjenigen, die nicht Teil dieses sozialen Mediums sind. Wie bei so vielen Erleichterungen im Leben (die auch süchtig machen können), habe ich mich anfangs gesträubt, ein Teil von Instagram zu werden. Deswegen kann ich es verstehen, wenn sie als die Inszenierungsplattform verstanden wird. Wir inszenieren uns alle selbst. Online, aber auch im echten Leben. Ich weiß nicht, wie Instagram vor 2017 ausgesehen hat, verglichen mit meinem Umfeld habe ich diese App erst ziemlich spät installiert. Und heute kann ich mir kaum vorstellen, wie es ohne sie wäre. Vor allem seit dem letzten Jahr habe ich bemerkt, was diese App noch kann: Einem helfen.   

Anfangs ging es mir um mehr oder minder schöne Fotos, um Hashtags und ich war darauf erpicht, Likes zu bekommen. Heute geht es mir um etwas anderes. Instagram bietet mir einen Halt und ist mein Ventil geworden, für den ganzen Mist in meinem Kopf und auch für alles Schöne, was mir in meinem Leben begegnet. Wir teilen hier unsere Geschichten. Klar, ist das in Zeiten der Digitalisierung teils auch fragwürdig, aber irgendwie ist es für uns normal geworden, so viel von uns preiszugeben und auch zu teilen. Es wird ein Mittel zur Identitätsbildung. Wir können durch Storys miteinander in Kontakt treten, uns inspirieren lassen und uns natürlich auch fremdschämen. Das alles bietet Instagram und es ist mittlerweile so viel mehr als eine App, auf der Fotos hochgeladen werden. Alle seriösen Nachrichtensender haben einen Account. Wir bilden uns hier, wenn wir das möchten. Für Menschen, die nicht unbedingt einen Fernseher besitzen oder die Nachrichten online auf dem Laptop ansehen möchten, sind die Posts oder Reels von Nachrichtensendern ein Gewinn. Und es werden sogar auch Live-Storys angeboten, bei denen die Möglichkeit besteht, direkt mitzudiskutieren. 

Es kommt eben darauf an, was man aus Instagram macht. Es ist wie im echten Leben, du musst dich entscheiden, wem du folgen möchtest. Schaust du dir das Leben von Menschen an, die vermeintlich immer glücklich sind? Die so viel Werbung platzieren, dass sie selbst zu einem Werbeaccount mutieren? 

Seit letztem Jahr habe ich bemerkt, dass immer mehr Posts ein Herz von mir bekommen, die gesellschaftliche, (klima)politische, künstlerische und therapeutische Inhalte haben. Feminismus, Mental Health, Klima und Politik sind irgendwie zum Trend geworden. Und das ist gut so. Denn wir sind die Generation, auf die es ankommen wird. Wir müssen aus alten Fehlern lernen, um es später einmal besser zu machen. Manche Themen scheinen vor allem für ältere Menschen unnötig zu sein. 

„So war das Früher eben“. Wieso sollten wir uns für Gendersternchen einsetzen? Oder dafür, dass bestimmte diskriminierende Worte oder Redewendungen nicht mehr gesagt und abgedruckt werden? Wieso sollten wir rassistische, sexistische und homophobe Angriffe im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße kreiden? Wieso schwänzen wir Schule, Uni oder unseren Beruf, um auf die Straße zu gehen und für unsere Zukunft zu kämpfen? Unsere Generation interessiert sich für all diese Dinge. Weil. Es. Auf. Uns. Ankommen. Wird! Wir leben alle in diesem System, das krank machen kann und welches die Erde nicht mehr tragen kann. Das hat uns vor allem unsere geliebte (Achtung Ironie!) Pandemie deutlich spüren lassen. Wir können es besser machen, uns vernetzen, uns inspirieren, uns miteinander bilden, voneinander lernen. Vielleicht schaffen wir es auch mit Hilfe einer eigentlich echt unnötigen App, dass sich die Gesellschaft ändert. Es kommt auf jeden von uns an und darauf, wie wir uns entscheiden. Von welchem Leben möchtest du heute ein Teil werden? Wer wird dich morgen bereichern? Oder bereicherst du selbst vielleicht die (digitale) Welt? 

Mehr zu den Generationen und ihren Bezeichnungen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Y

https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Z

https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Snowflake

Auch sehenswert:

Doku „Generation Greta“

https://www.3sat.de/gesellschaft/politik-und-gesellschaft/generation-greta-100.html

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